Das Blatt

 

Das Blatt

  Patrick Fiedel, 2013-2017

 

Ein großer Baum steht auf dem Hof,

 lässt alle seine Blätter los.

 

 Sie schweben durch den kalten Wind,

 bis alle dann am Boden sind.

 

 Doch an einem kleinen Ast,

 hat ein Blatt den Herbst verpasst.

 

 Es hängt da oben, ganz allein,

 will kein Laub am Boden sein.

 

 Mit ganzer Kraft hält es sich fest,

 damit der Herbst es hängen lässt.

 

 Dieser pustet, wütet, stürmt,

 das kleine Blatt hat ihn erzürnt.

 

 Der Herbst schickt seine größten Schauer,

 malt den Himmel grau und grauer.

 

 Das Blatt kämpft weiter ohne Rast,

 hält sich fest am kleinen Ast.

 

 Das lässt der Herbst sich nicht gefallen,

 bringt ein Gewitter laut zum Schallen.

 

 Donnerschläge immer wieder,

 Blitze stürzen mahnend nieder.

 

Dicker Hagel fällt herab,

 verfehlt das Blatt nur äußerst knapp.

 

 Doch der Herbst kennt keine Ruh,

 schickt kalten Atem immerzu.

 

 Schließlich hat er es geschafft,

 das kleine Blatt fällt ab vom Ast.

 

 Es treibt im Wind nun hin und her,

 über Wiesen kreuz und quer.

 

 Durch breite Straßen, über Dächer,

 doch der Herbst wird sichtlich schwächer.

 

 Er pustet noch ein letztes Mal,

 alle Bäume sind nun kahl.

 

 Vorbei ist nun des Blattes Zeit,

 für jetzt und alle Ewigkeit.

 

 Es fällt zu Boden, so soll es sein,

 wird nun bald vergessen sein.

 

 Erschöpft und ängstlich denkt es sich,

 Laub am Boden, nun auch ich.

 

 Die Zeit am Ast war voller Glück,

 noch einmal denkt das Blatt zurück.

 

 Wie die Sonne es warm weckte,

 wie gern es sich am Morgen reckte.

 

 Wie es raschelte im Wind,

 wie hoch die Vögel geflogen sind.

 

 Es sah so gern das bunte Treiben,

 wollte hier für immer bleiben.

 

 Traurig sieht es langsam ein,

 morgen werde ich vergessen sein.

 

 Ein kleiner Junge kommt herbei,

 sammelt herbstlich allerlei.

 

 Er sieht es liegen, unser Blatt,

 packt es ein und drückt es platt.

 

 Lässt es trocknen eine Zeit,

 gibt ihm ein hübsches Rahmenkleid.

 

 Zeigt es freudig Groß und Klein,

 soll nicht als Laub vergessen sein.

 

 So hängt das kleine Blatt für immer,

 glücklich in des Jungen Zimmer.